Reformation, Begegnung und Kultur
Beispielprogramm
9-tägige Reise, ideal geeignet für eine kirchliche Gemeinde oder eine Gruppe von interessierten Freundinnen und Freunden, die gemeinsam Neues erleben und dabei mehr über Kultur, Geschichte und Religiosität erfahren möchten.
ECKDATEN
Dauer
9 Tage
Orte
Prag, Zlín, Běleč nad Orlicí, Třebechovice
Schwerpunkte
Böhmische Reformation, Begegnungen, Kultur
Vorbereitet mit
Pfarrer Andreas Hess, Schaffhausen
Tag 1
Anreise nach Prag und erster Rundgang
Nach der Anreise nach Prag und dem Transfer ins Hotel in der Altstadt beginnt das Programm mit einem ersten gemeinsamen Spaziergang in der Umgebung der Unterkunft. Dieser Auftakt dient der Orientierung und dem Ankommen in der Stadt. Die Gruppe erhält einen ersten Eindruck von Prag als historischem Zentrum mit dichter städtebaulicher Struktur, kurzen Wegen und vielen Schichten von Geschichte auf engem Raum.
Der Abend endet mit einem gemeinsamen Essen und einer Einführung in das Programm der kommenden Tage.
Tag 2
Prager Burg, Karlsbrücke und Begegnung mit der Schweizer Botschaft
Der erste volle Tag in Prag führt auf den Burghügel mit dem Veitsdom und in die umliegenden Gärten. Von dort geht es weiter durch die Kleinseite, über die Karlsbrücke und bis in die Altstadt. Diese Wegführung erschliesst zentrale Orte der Stadt nicht nur als Sehenswürdigkeiten, sondern auch als Schauplätze politischer Macht, kirchlicher Geschichte und kultureller Repräsentation.
Am Abend steht ein Gespräch mit einer Vertreterin oder einem Vertreter der Schweizer Botschaft auf dem Programm. Er verbindet die Reise mit aktuellen Fragen des Landes, in dem man zu Gast ist, und eröffnet einen Rahmen für Austausch über Tschechien heute, über bilaterale Beziehungen und über die Rolle diplomatischer Institutionen.
Tag 3
Auf den Spuren der böhmischen Reformation
Dieser Tag ist der böhmischen Reformation gewidmet. Prag ist dafür ein zentraler Ort: Hier wirkte Jan Hus, hier wurden Reformforderungen öffentlich verhandelt, und hier entwickelten sich Konflikte, die weit über Böhmen hinaus Wirkung entfalteten. Ein thematischer Rundgang macht diese Zusammenhänge direkt im Stadtraum sichtbar.
Am Nachmittag folgt ein Gespräch zur Geschichte und Gegenwart evangelischen Lebens in Tschechien. Für kirchlich geprägte Gruppen ist gerade dieser Teil wichtig, weil er historische Themen mit der heutigen Situation verbindet. Am Abend besucht die Gruppe das Schwarze Theater – eine Kunstform, die in Prag eine besondere Tradition hat und einen Kontrast zum historischen Programm des Tages bildet.
Tag 4
Vyšehrad, tschechische Kulturgeschichte und Moldauschifffahrt
Am vierten Tag besucht die Gruppe Vyšehrad, den hoch über der Moldau gelegenen Burgfelsen am südlichen Rand des Prager Zentrums. Der Ort ist wichtig, weil sich hier Legende, nationale Erinnerung und konkrete Stadtgeschichte überlagern. Von den Mauern aus ergeben sich zudem ungewöhnliche Blicke auf Prag jenseits der klassischen Altstadtperspektiven.
Zum Programm gehört auch der Friedhof auf Vyšehrad, auf dem zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten der tschechischen Kultur begraben sind – darunter Bedřich Smetana, Antonín Dvořák und Jan Neruda.
Am Abend folgt eine private Schifffahrt auf der Moldau mit Abendessen. Die Stadt lässt sich vom Wasser aus in ihrer topografischen Struktur anders lesen als zu Fuss, und gleichzeitig entsteht ein gemeinsamer Rahmen für Gespräche und Rückblick.
Tag 5
Anreise nach Zlín und erste Einführung in die Stadt
Nach den Tagen in Prag fährt die Gruppe weiter nach Mähren. Unterwegs steht ein Besuch der Koněprusy-Höhlen auf dem Programm, eines der bekanntesten Höhlensysteme in Böhmen. Die Tropfsteinformationen und unterirdischen Hallen zeigen eine ganz andere landschaftliche Seite des Landes als die historische Stadt Prag.
Am frühen Abend erreicht die Gruppe Zlín. Dort wird sie von einem lokalen Bäcker empfangen, der bereits mit Kolatschen und hausgemachtem Sliwowitz wartet. Schon dieser erste Empfang vermittelt etwas von der lokalen Alltagskultur.
Anschliessend folgt ein erster Orientierungsspaziergang. Dabei geht es auch um eine erste Einführung in die Besonderheit Zlíns: Die Stadt wurde im 20. Jahrhundert unter Tomáš Baťa systematisch ausgebaut und ist bis heute durch ihre funktionale, einheitliche Architektur geprägt.
Tag 6
Gottesdienst und Zlín als Stadt Tomáš Baťas
Der Sonntag beginnt mit einem Gottesdienst und der Begegnung mit einer lokalen evangelischen Gemeinde. Solche Programmpunkte sind für kirchliche Gruppen besonders wertvoll, weil sie den Aufenthalt aus der Rolle bloss Besuchender herausführen und einen tatsächlichen Austausch ermöglichen.
Am Nachmittag folgt die Erkundung von Zlín als Stadt Tomáš Baťas. Er liess nicht nur Produktionsgebäude errichten, sondern auch Wohnhäuser, Schulen, kulturelle Einrichtungen und Verwaltungsbauten. In diesem Sinn lässt sich Zlín als eine soziale und architektonische Utopie des 20. Jahrhunderts lesen.
Gerade für Schweizer Gäste ist das Thema zusätzlich interessant, weil Baťa auch in der Schweiz Produktions- und Firmenstandorte aufbaute. Zu den wichtigsten Stationen gehören das Tomáš-Baťa-Denkmal und der berühmte Baťa-Wolkenkratzer, der bei seiner Fertigstellung 1938 zu den höchsten Gebäuden Europas zählte.
Am Abend folgt ein Degustationsmenü im MICHELIN-Stern-Restaurant La Villa.
Tag 7
Weiterreise nach Běleč nad Orlicí
Von Zlín führt die Reise weiter nach Běleč nad Orlicí in Ostböhmen. Der Ort liegt in ruhiger Umgebung nahe eines Waldsees und gehört seit mehr als hundert Jahren der evangelischen Kirche. Bis heute dient das Gelände als Ort für Freizeiten, Erholungsaufenthalte und Begegnungen – unter anderem für Jugendgruppen, Familien und auch für Familien mit Kindern mit Behinderung.
Gerade deshalb ist Běleč nicht einfach nur eine Unterkunft im Grünen, sondern ein Ort mit kirchlicher und sozialer Kontinuität. Für die Gruppe eröffnet sich hier eine andere Perspektive auf das Land: weg von den grossen Städten, hin zu einem Raum, in dem Gemeinschaft, Einfachheit und Gastfreundschaft im Vordergrund stehen.
Tag 8
Třebechovice, hussitische Traditionen und die berühmte Weihnachtskrippe
Der vorletzte Reisetag beginnt ruhig am See in Běleč. Danach fährt die Gruppe nach Třebechovice pod Orebem, einen Ort in Ostböhmen, der historisch mit der hussitischen Bewegung verbunden ist.
Im Ort besucht die Gruppe das Museum mit der berühmten Třebechovicer Weihnachtskrippe. Es handelt sich nicht um eine gewöhnliche Krippe, sondern um eine aussergewöhnlich detaillierte, mechanische Holzkrippe, an der über viele Jahre gearbeitet wurde. Sie verbindet religiöse Darstellung mit Volkskunst, handwerklicher Präzision und technischem Erfindungsgeist.
Tag 9
Rückkehr nach Prag und Heimreise
Am letzten Tag kehrt die Gruppe nach Prag zurück. Vor dem Abflug bleibt noch Zeit für einen individuellen Aufenthalt in der Stadt. Diese letzte Phase ist bewusst offen gehalten: für einen kurzen Spaziergang, einen Cafébesuch oder einen eigenen Abschluss des Aufenthalts.
Was diese Reise zeigt
Dieses Beispiel zeigt, wie ein Gruppenprogramm aufgebaut sein kann, das Reformationsgeschichte, kirchliche Begegnungen, kulturelle Programmpunkte und ausgewählte Orte ausserhalb Prags miteinander verbindet.
Die einzelnen Reisen werden jeweils an Interessen, Alter, thematische Schwerpunkte und den Rhythmus der Gruppe angepasst.
